Lyriker werfen einen kritischen Blick auf Wirtschaft und Gesellschaft
Mit den Lyrikern Mikael Vogel und Martin Piekar zog der LeseLenz auch in die vollbesetzte Aula der Kaufmännischen Schulen Hausach ein, wo sich Klassen des Wirtschaftsgymnasiums und der Berufsschule eingefunden hatten.
Einen kritischen Blick auf die Rolle des Handels bei der Ausrottung und Ausbeutung von Tieren warf der Dichter Mikael Vogel in seinen Gedichten über ausgestorbene und bedrohte Tierarten. Die Reaktion des lyrischen Ichs auf den Anblick eines ausgestopften Pandas, der auf einem Markt in Tokyo zum Verkauf angeboten wird, ebenso wie die dichterische Dokumentation des Moments, in dem das letzte brütende Riesenalkpaar getötet wurde – Vogels Texte illustrieren die zerstörerische Macht, die mit der Gier des Menschen in die Natur einbricht. Die Möglichkeit, das erlegte Tier zu Geld zu machen, befördert laut Mikael Vogel den Prozess, der ganze Tierarten zum Verschwinden bringt.
Im Anschluss an die Lesung erhielten die Schülerinnen und Schüler Einblick in die Bedeutung, die die Recherche für den Lyriker bei der Entstehung der Gedichte hat und die ihn in die Museen und Archive ferner Länder führte, und lernten das Fremdwort „Speziesismus“ kennen, einer auf Tiere bezogenen Entsprechung zum Begriff Rassismus, wie ein Mitschüler zu erklären wusste.
Vogel machte an dem Wort „Nutztiere“ deutlich, wie der Mensch auch sprachlich ganze Gruppen von Mitlebewesen als anders und minderwertig kategorisiert und sie daher als ausbeutbar ausweist. Auf den Einwand, dass doch auch wilde Tiere andere Tiere fressen, verwies der Veganer Vogel auf den industriellen Maßstab, in dem der Mensch Tiere schlachtet, und auf das zur Aufzucht benötigte Futter, für dessen Anbau den sogenannten wilden Tieren weltweit der Lebensraum weggenommen wird.
Damit sprach Vogel unangenehme Wahrheiten an, machte jedoch auch deutlich, dass alle Anwesenden die zukünftige Entwicklung mit in der Hand hätten, nämlich durch ihre täglichen Kaufentscheidungen.
Ein paar Stunden zuvor hatte der Lyriker und Romanautor Martin Piekar eine Auswahl seiner Gedichte vorgestellt, über seine Motivation zu schreiben, die „Scheineindeutigkeit“ von Wörtern und seine Sicht auf die Romantik als Flucht vor einer als bedrohlich oder bedroht empfundenen Welt gesprochen. Den Abschluss der eindrücklichen Stunde bildeten Auszüge aus seinem Roman, der dieses Jahr erschienen ist. Das Gespräch über „Vom Fällen eines Stammbaums“ wurde am nächsten Tag für die 11. Klassen im Hausacher Rathaus weiter vertieft. (S. separater Artikel)
Bild Mikael Vogel: Matthias Dorn
Text und Bild Martin Piekar, der seinen Roman für Schülerinnen der WG 12 signiert: Jutta Person