Übersetzungswerkstatt schärft den Blick für die Feinheiten der Sprache
In der LeseLenz-Werkstatt „ÜBERSETZEN / Überseezungen“ vermittelte Jon Cho-Polizzi, Professor an der University of Michigan, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Einblick in die Kunst des literarischen Übersetzens.
Schülerinnen und Schüler der Kaufmännischen Schulen Hausach und des Robert-Gerwig-Gymnasiums sowie eine Lehrkraft der Graf-Heinrich-Schule dachten zunächst gemeinsam darüber nach, was eine Übersetzung ist und warum man übersetzt. Eine wichtige Frage war auch, was Künstliche Intelligenz beim literarischen Übersetzen leisten kann und wo sie noch scheitert.
„Everything irregular“, alles Unregelmäßige oder Regelwidrige, fasste Cho-Polizzi zusammen, sei ein Problem für die Sprachmodelle der KI, so z. B. Dialekt oder bewusste Verstöße gegen die Sprachregeln. Auch Emotionen, Sarkasmus, Wortspiele, Mehrdeutigkeit, Humor oder Musikalität der Sprache würden von der KI oft nicht erfasst.
In kleinen Gruppen ging es an die praktische Arbeit. Cho-Polizzi, der für seine literarischen Übersetzungen aus dem Deutschen schon mehrfach mit Preisen ausgezeichnet worden ist, hatte das Gedicht „emigrante“ von José F.A. Oliver mitgebracht. Hier bestand die Herausforderung darin, die fehlerhafte Grammatik, die das Subjekt des Gedichts als den Emigranten des Titels ausweist, im Englischen umzusetzen, das anderen grammatikalischen Regeln folgt. Und wie übersetzt man „farbenblau“, ein Wort, das es im Deutschen eigentlich nicht gibt? Auch die danach in Angriff genommene Passage aus Fatma Aydemirs Roman „Dschinns“ hatte es in sich.
So war es für alle spannend, die in den Gruppen erarbeiteten Übersetzungen zu hören und über die verschiedenen Lösungen zu diskutieren. Beeindruckende Ergebnisse erzielten die Schülerinnen und Schüler auch beim Übersetzen weiterer zeitgenössischer Gedichte, unter anderem von Amanda Gorman. Die eine oder andere Version wird nächstes Jahr „Wortwerk“ zu lesen sein. In einem Jahr wird Jon Cho-Polizzi wieder eine Werkstatt anbieten.