Georgina Copty (Mitte) präsentierte für die 11. Klassen des Wirtschaftsgymnasiums auch ihre eigenen Perspektiven auf den Konflikt in Palästina. Vorne links: Pfarrer Hans-Michael Uhl und Abteilungsleiter Michael Zürn.

Versöhnung ist immer möglich

Unterstützt vom Freundeskreis der Kaufmännischen Schulen Hausach war Georgina Copty, christliche Palästinenserin mit israelischem Pass, an die KSH gekommen. Sie erzählte aus ihrem sehr bewegten Leben zwischen Jerusalem, Washington, Kapstadt und Belfast, vor allem aber gab sie auch ihre Einschätzung zur aktuellen Lage in Palästina. Dabei zeigte sie ihre eigenen Perspektiven auf den Konflikt, der das Land quält.

Georgina Copty erklärte: „So wie die ganze Situation sich in den letzten Jahren und besonders in den letzten Monaten zugespitzt hat, kann es nur eine „Ein-Staaten-Lösung“ in Palästina geben. Der Weg dahin ist unglaublich weit, aber denkbar. Das noch vorhandene „Rest“-Siedlungsgebiet der Palästinenser, nachdem so viele jüdische Siedlungen auf ihrem Land illegal errichtet wurden, ist so lächerlich klein, dass darauf nie ein funktionierendes Gemeinwesen entstehen kann.“ Deshalb ist sie überzeugt, dass Juden und Palästinenser irgendwann in nicht allzu ferner Zeit sich aufeinanderzubewegen müssten. Die „Vernünftigen“ im Lande müssen das Steuer übernehmen nach all der sinnlosen Zerstörung und Gewalt, meinte die Referentin, und sie brauchen Hilfe von außen. Sie fügte hinzu: „Das ist irgendwann auch in Nord-Irland, wo ich heute lebe, gelungen nach all dem Terror, der dort Jahrzehnte das Land gequält hat.“ Das ist auch in Südafrika zwar sehr unvollkommen, aber doch sichtbar geworden, dass verfeindete Parteien sich versöhnen können, fügte sie hinzu. In Südafrika hat  sie selbst als Studentin gelebt und war dorthin aufgebrochen, um da zu sein, wo unversöhnlich scheinende Konfliktparteien kooperieren.

Die Christen können zwischen Palästinensern und Juden, so hofft sie, wenn sie auch nur eine kleine Minderheit sind, eine wichtige Rolle spielen als Brückenbauer. Und sie erinnerte daran, dass auch bei der deutsch-deutschen Versöhnung Christen und christliche Gemeinden eine nicht unwesentliche Rolle gespielt hätten. Die 11. Klassen des Wirtschaftsgymnasiums folgten aufmerksam den Ausführungen, sicher immer dann besonders beeindruckt, wenn der Bericht sehr persönlich wurde über die Kindheit in Jerusalem, die Identitätskrisen als junge christliche Palästinenserin in Israel und später als Studentin in den USA.

Pfarrer und Religionslehrer Hans-Michael Uhl moderierte als Einladender Vortrag und Gespräch und war froh, dass es gelungen war, diesen Abstecher in die Schule durch das kollegiale Miteinander an der KSH und die Zustimmung der Schulleitung zu realisieren. Er gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass die schon geplante und dann durch die Ereignisse vom 7.Oktober 2023 verhinderte Schüler-Studienreise nach Israel/Palästina in einer absehbaren Zeit nachgeholt werden kann.